Aus der Blockadezeit für die Zukunft lernen
Das Schicksal der Stadt hing an einem Faden, dem Faden der
Versorgung aus der Luft.
Niemand glaubte damals, daß es möglich sein würde, eine Stadt aus der Luft zu
versorgen. Aber es gab ein paar Menschen mit Phantasien, und die waren überzeugt davon,
daß man das würde machen können. Es gab keinen Präzedenzfall. Es gab nur die einfachen
Vorschriften des Gewissens...
Von diesem Augenblick an wurden die westlichen Verbündeten zu Schutzmächten, nicht
länger Besatzungsmächten für
Deutschland. Es galt, die Menschen in Berlin am Leben zu halten. ... Wenn die Kommunisten
mit den Mitteln der Angst und der Furcht kämpfen wollten, so würden wir denn mit
Freundschaft und Überzeugungen zurückschlagen... Von Juni 1948 bis Mai 1949 wurden über
eine Viertel Million Einsätze geflogen,... Tag und Nacht, in gutem wie in schlechtem
Wetter, alle 90 Sekunden kam ein Flugzeug. Aber das kostbarste Gut, das nach Berlin
gelangte, kam nicht in den so gut bezeichneten Care-Paketen. Es war vielmehr die Hoffnung,
die durch den ständigen Lärm der Flugzeuge geschaffen wurde. Die Berliner nannten diese
Geräusche eine Sinfonie der Freiheit, die sie daran erinnerten, daß Berlin nicht allein
war und daß die Freiheit nicht ein Flug der Phantasie war.
Heute ist der Kalte Krieg Geschichte. Ein demokratisches Rußland ist unser Partner, und
wir haben zum ersten Mal die Chance, ein neues Europa zu bauen: ungeteilt, demokratisch
und auf Frieden ausgerichtet.
Gleichzeitig muß eine neue Generation lernen, die Lehren aus dieser Zeit auf.die
künftigen Herausforderungen, die im 21. Jahrhundert auf uns zukommen, anzuwenden,
Eingedenk der Tatsache, daß die Möglichkeiten von heute, die Chancen von heute, keine
Garantie für die Zukunft sind. Und deshalb hoffe ich, daß Deutsche wie Amerikaner immer
die Lehren dessen beherzigen werden, was hier vor 50 Jahren geschah.
Daß wir niemals die Verantwortung, die man uns übergeben hat, von uns werfen dürfen.
Daß der Kampf um die Freiheit niemals endet...
Wir haben damals mehr als Lebensmittel... abgeworfen. ... Es ist dies eine Geschichte, die
die Menschen in der ganzen
Welt lehrt, daß man niemals aufgeben... darf. Sie lehrt, daß Unglück überwunden werden
kann, daß Gebete erhört werden
und daß Hoffnungen sich erfüllen lassen, wenn wir unsere Freiheit verteidigen.
Meine Freunde, hundert Jahre von heute und lange, lange danach werden alle Freunde der
Freiheit sich dann daran erinnern, wie die Bürger dieser großen Stadt für die Freiheit
eingetreten sind... und daß wir deshalb sagen
können: Berlin bleibt doch Berlin." dpa
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